Im Norden von Thailand

Fast Alltag ist es für mich seit vielen Jahren geworden über Weihnachten und Neujahr entweder als Bergführer in der Antarktis zu arbeiten oder aber eines der zahlreichen, im sonnigen Süden gelegenen Klettergebiete unserer Erde anzupeilen. Nachdem ich im Winter 2014/2015 mit Gästen wieder in der Nähe des Südpols unterwegs war, zog es mich letzten Winter stark Richtung Wärme.

Als ich meiner Partnerin Nancy Hansen vorschlug, dass wir eine zweimonatige Kletter-Reise nach Thailand, Laos und Kambodscha unternehmen könnten, duckte sie sich erst ein wenig weg. Im ersten Moment dachte sie an all die weniger schönen Berichte, die sie gelesen hatte. Thailand hat den Ruf, ein schönes Land mit wirklich netten Leuten und fantastischer Küche zu sein. Aber sie hatte auch gehört, dass dieses vielfältige Land zum Jahreswechsel regelmäßig mit Tausenden von Touristen überspült würde, dass die Klettereien inzwischen ziemlich speckig seien und dass die feuchtschwüle Hitze einem beim Umherreisen und Klettern viel Energie kosten würden. Glücklicherweise ist Nancy ein unglaublich positiver Mensch und so äußerte sich Ihre übliche Lebensphilosophie in einem „So schlimm kann es gar nicht sein“. Und schon waren wir mitten in der Planung.

Um es vorweg zu nehmen: die 55 Tage unserer Reise waren fantastisch! Mit Ausnahme der letzten vier Tage kletterten wir nur in neueren bzw. kleineren und weniger bekannten Gebieten in Thailand und Laos. Wir lernten zahllose, wunderschöne, teilweise spektakuläre Kletterrouten kennen. Südosten Asiens fester griffiger Kalk bot uns alles was sein Ruf charakterisiert: Drei-D-Klettereien vom Feinsten, gespickt mit Tuffas in allen Formen und Größen, Wandklettereien, Risse, Höhlen, Tuffas und noch mehr Tuffas. Überall, wo wir kletterten fanden wir unverbrauchten rauen Fels, angenehme Temperaturen, niedrigere Luftfeuchtigkeit und deutlich weniger Touristen als im weltberühmten Klettergebiet von Krabi in Railay oder Tonsai, wo wir unsere letzten vier Tage verbrachten. Nur gelegentlich schwitzen wir mal etwas heftiger oder fanden einzelne Aufwärmerouten, die schon etwas mehr Begehungen gesehen hatten. Früher Start am Morgen, Klettern im Schatten und flüssiger Chalk waren unsere Spielregeln für ungetrübte Kletterfreude, die wir durchweg fanden.

Die kulturellen Erfahrungen, die Tiere die wir oftmals zufällig sahen und die Aktivitäten an den Ruhetagen in diesem Teil der Welt sind reichlich, einzigartig und eindrucksvoll. Wir besuchten Dutzende von Wats (Buddhistische Tempel), beobachteten Menschen bei ihren unterschiedlichsten täglichen Arbeiten, wanderten zu schönen Wasserfällen, erlebten pulsierende Märkte, erforschten Höhlen, schwammen in klaren blauen Flüssen, beobachteten die reichliche vorhandene Tierwelt, sprachen mit Mönchen, nahmen am eindrucksvollen Laternen-Festival von Chiang Mai teil, fuhren häufig mit dreirädrigen Tuk-Tuks und fanden täglich neue Abenteuer am Wegesrand.

Nam Pha Pa Yai – der Auftakt unserer Kletterreise.

Der „Zustieg“

Das war der „best-ever“-Zustieg zu einem Sportklettergebiet! Ein 2-minütiger Weg durch den Dschungel, ein 20 Sekunden dauernder Zipline-„Flug“ über den Fluss, gefolgt von einem 15 Meter langen Aufstieg zu den Felsen. Wir waren im Nam Pha Yai Camp, 2.5 Stunden nördlich von Bangkok.

Kultur

Auf dem Weg zum Klettergebiet „Crazy Horse“ im Norden von Thailand machten wir an vielen sehenswerten Buddhistischen Tempeln, Kulturdenkmälern halt unter anderem auch im Ayutthaya Historical Park, einem UNESCO Weltkulturerbe.

Unterbringung

Wir schliefen in einem Zelt auf einer Bambus-Plattform, die (größtenteils) die vielen Dschungel-Krabbeltiere abhielt. Zumindest physisch, aber laut hörbar waren sie immer noch. Die Dschungel-Morgen-Musik war fantastisch!

Klettern

Das Klettern in Nam Pha Pa Yai war super abwechslungsreich und auf bestem Kalk hatten wir jede Menge Kletterspaß. Es gibt nur einige Dutzend Routen in Nam Pha Pa Yai, aber das außergewöhnliche Gesamterlebnis, das es bietet ist auf jeden Fall wert dort drei oder vier Tage zu verbringen.

Spannende Momente

Wir sahen jede Menge Getier im Nördlichen Thailand und waren wirklich überrascht, dass wir nur wenige unangenehme Begegnung hatten. Einmal als Nancy eine Fledermaus in einem Handriss wahrscheinlich aus dem Tiefschlaf riss und diese sie in den Finger biss. Wir wurden beide ein paar Mal von Bienen gestochen, die ihre Nester oftmals in Minutenschnelle umbauen und auf einmal direkt neben einem Umlenkhaken hängen…

Das Tier im Bild unten ist ein Wasserlizard. Wir sahen jede Menge von ihnen! Erwachsene Tiere sind normalerweise zwei Meter lang. Kurz nachdem Nancy dieses Foto schoss, ließen sich zwei Hunde auf einen Angriff auf die Echse ein. Die Echse stand den beiden fauchend gegenüber und schlug urplötzlich mit ihrem Schwanz auf sie ein. Ich vermute, dass das ein tägliches Spiel zwischen den dreien war.

Bienen waren wahrscheinlich unsere größte objektive Gefahr. Nicht alle Nester waren so groß und offensichtlich wie auf dem obigen Bild. Beide wurden wir mehrfach gestochen bzw. mussten teilweise schnell zurückklettern, als wir realisierten, dass die Route an einem Biene-Nest vorbeiführte. Wir hörten Geschichten von Kletterern, die zu nahe an große Nester wie diese kamen und rapp zapp Hunderte von Stichen abbekamen – und damit genauso schnell im Krankenhaus waren.

Glücklicherweise sind die meisten Schlangen in Thailand nicht giftig. Wir hielten unsere Augen trotzdem offen – wirklich giftige wie die König-Kobra oder Vipern haben wir keine gesehen.

Die Ernährung unterwegs

Wir haben wirklich verstanden warum es auf der ganzen Welt thailändische Restaurants gibt. Das Essen der Thais ist einfach köstlich und unendlich vielfältig! Und so versuchten wir, so viele verschiedene Gerichte kennen zu lernen, wie möglich. Viele Restaurants bieten auch thailändische Koch-Kurse an.

Unten seht Ihr „Kôw Soj“ – ein Suppengericht, das man nur im Nördlichen Thailand findet. Ich fand es überragend gut. Wenn man es auch in anderen Landesteilen bekommen würde, denke ich, dass es ebenso populär wäre wie „Pad Thai“.

Oftmals wurden wir von sehr zuvorkommenden und farbenfrohen Ortsansässigen bedient oder versorgt. Wir fanden im Norden Thailands einige der freundlichsten Orte, an denen wir beide je gewesen sind.

Nancy und ich essen sehr gerne auch auf dem Markt oder in einfachsten Restaurants der Einheimischen. Oben „genieße“ ich gerade eine außerordentlich „gut“ gewürzte Suppe. Einmal war eine Mahlzeit so scharf, dass Nancy’s Mund anschwoll und sie wegen der Schmerzen eine Weile nicht sprechen konnte!

Wieder Klettern

Wir verbrachten ganze 12 Tage im Klettergebiet „Crazy Horse“ nahe Chiang Mai ganz im Norden Thailands. Es ist ein ideales Gebiet für mehrere Wochen um neben intensivem Klettern auch alle möglichen Sehenswürdigkeiten kennen zu lernen. Der kürzeste Zustieg zu den Klettereien dauert zwei Minuten, der längste gerade mal 20. Ihr könnt in jeglicher Exposition klettern und falls es mal besonders heiß sein sollte, gibt es auch innerhalb von mehreren großen Höhlen einige spannende Routen.

Falls dieses Bild im ersten Moment etwas verwirrend aussieht – keine Sorge. Auch für uns war es im ersten Moment etwas undurchsichtig diese „Pils“-Route zu klettern. Der Fels erfordert alle möglichen Techniken und dreidimensionalen Bewegungen und schließlich kletterten wir im „Inneren“ des Dachs durch eine Höhle zum Umlenkhaken. 😉

Manche der Kletterrouten verlangen auch einfach rohe Kraft!!

Das Laternen-Fest Loy Kratong

Nancy und ich hatten wirklich Glück in Chiang Mai während des sensationellen Loi Krathong Fests zu sein. Es wird am Tag des 12. vollen Monds jedes Jahr gefeiert. Es soll Glück bringen entweder eine schön verzierte Kerzenlaterne stromabwärts schwimmen oder eine große, mit einer Kerze beleuchtete Laterne in den Himmel steigen zu lassen. Zehn Tausende von Menschen aus der ganzen Welt waren an diesem farbigen Festtag in den Straßen von Chiang Mai unterwegs.
Übrigens ist der Flughafen von Chiang Mai an diesem Abend und in dieser Nacht geschlossen – es sind einfach zu viele Laternen am Himmel!

Logistik für Thailand

  • Am Flughafen von Bangkok übernahmen wir einen günstigen Kleinwagen, den wir zuvor online gemietet hatten. Gefahren wird auf der linken Straßenseite – was etwas Übung und zu Beginn reichlich Aufmerksamkeit braucht. Außer in den Innenstädten ist das Fahren wirklich relaxed und das Straßennetz, besonders in Bangkok, ist ausgezeichnet.

  • Wir kauften am Flughafen problemlos eine preiswerte SIM-Karte für unser Handy (ohne SIM-Lock). Dies erlaubte uns Google-Maps zur Navigation zu nutzen. Die Abdeckung in Thailand ist sensationell – deutlich besser als in Deutschland. Selbst im Hinterland!

  • Wir nutzten Online-Hotel-Buchungs-Seiten zum Umherreisen, was prima funktionierte. Lediglich zwei Mal bekamen wir nicht genau die Unterkunft, welche wir uns gewünscht hätten. Für das Klettern in Nam Pha Pa Yai reservierten wir schon einge Tage vorher ein Zelt und konnten nach einer Nacht in das einzig zur Verfügung stehende Baumhaus umziehen. Für das Klettern am „Crazy Horse“ blieben wir in Mae On bei einer Familie (Homestay). Wir fuhren zwei Mal durch das winzige Dorf und fanden ein kleines Apartment für 500 Thai Bhat pro Nacht (12 EUR).
  • Unsere Gesamtreise dauerte vom 11. November bis 10. Januar; der erste Teil bis 05.Dezember.

In Summe ist eine Kletterreise nach Thailand viel, viel mehr als gerade „immer nur“ Klettern. Die möglichen Aktivitäten an den Ruhetagen sind wirklich schwer zu schlagen! In Teil zwei besuchen wir Laos, Kambodscha und das südliche Thailand.

Jetzt zu Teil 2